KI-Assistenten als Feedback-Tool im Lernprozess nutzen
Künstliche Intelligenz verändert das Lernen. Viele Schüler:innen nutzen ChatGPT & Co., um schnell an Lösungen von Aufgaben zu kommen. Dabei steckt in der Technologie viel mehr Potenzial für den Unterricht. Diese Seite zeigt, wie KI-Assistenten gezielt vorprogrammiert werden können, damit sie Schüler:innen beim Lernen wirklich unterstützen, anstatt ihnen nur die Arbeit abzunehmen.
Das Ziel: Sofortiges strukturiertes Feedback zu Übungsaufgaben.
⬤ Feedback-KI: Sofortige Rückmeldung für besseres Lernen
Feedback ist eine der wirksamsten Lernhilfen im Unterricht. Laut Hattie-Studien erreicht gezieltes Feedback eine Effektstärke von 0,70 und zählt damit zu den Top-10-Interventionen für erfolgreiches Lernen. Das Problem: Lehrkräfte können nicht jedem Lernenden sofort individuelle Rückmeldungen geben.
Ein selbst geprompteter KI-Assistent kann Schülerlösungen in Sekunden bewerten und strukturierte Rückmeldungen geben. Die KI erhält den Erwartungshorizont als Hintergrundwissen, zeigt ihn aber nicht direkt. Stattdessen gibt sie gezieltes Feedback nach klaren Kriterien.
Die selbst erstellten KI-Assistenten können den Lernenden zugänglich gemacht werden. Dafür gibt es verschiedene Plattformen wie fobizz oder telli, die für den Schulalltag konzipiert sind. Auf diese Weise ist es möglich, zum Beispiel mithilfe eines QR-Codes oder einem angelegten Klassenraum den KI-Assistenten für Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen.
⬤ Sturuktur für einen KI-Assistenten überlegen
KI-Assistenten für sofortiges Feedback lassen sich auf verschiedene Aufgabentypen anwenden. Wenn Lernende eine Übungsklausur oder Übungsaufgabe bearbeiten und währenddessen bereits Rückmeldungen erhalten sollen, kann ein KI-Assistent die Schülerlösungen mit den Musterlösungen der Lehrkraft abgleichen.
Es ist wichtig, dass der Erwartungshorizont als Grundlage vorhanden ist. Als Lehrkraft sollte zunächst ein detaillierter Erwartungshorizont erstellt und dem KI-Assistenten zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Basis lässt sich bestimmen, wie das Feedback strukturiert werden soll. Bewährt hat sich eine klare Gliederung: Was ist bereits gut gelungen? Welche Inhalte fehlen noch? Wie hoch ist die prozentuale Übereinstimmung mit der Musterlösung?
Entscheidend ist, dass der Lösungsweg offen bleibt. Der KI-Assistent muss so programmiert werden, dass er den Erwartungshorizont nicht preisgibt und stattdessen die Lernenden zur eigenständigen Überarbeitung auffordert, anstatt fertige Lösungen zu präsentieren.
Der Schwerpunkt sollte auf den fachlichen Inhalten liegen. Rechtschreibfehler nur bei groben Fehlern korrigieren. Tests im Unterricht zeigten: Ohne diese Einschränkung korrigiert die KI jeden Kommafehler und jede Kleinigkeit bei der Großschreibung. Die Evaluation ergab, dass dies die Schülerinnen und Schüler zu stark von den Fachinhalten ablenkt. Hier könnte überlegt werden, ob separate Assistenten für das Sprachtraining sinnvoller wären.
1. Erwartungshorizont nutzen
2. Kurzes, strukturiertes Feedback geben
- Was gut gelungen ist
- Welche Inhalte fehlen
- Prozentuale Übereinstimmung
3. Lösungsweg offen halten
- Erwartungshorizont nicht zeigen
- Nicht selbst überarbeiten
- Zur Überarbeitung auffordern
5. Fokus auf Wesentliches
- Rechtschreibung nur bei groben Fehlern
6. Lernbegleitung ermöglichen
- Allgemeine Fragen zulassen
- Hilfestellungen ohne Vorwegnahme
⬤ Technische Umsetzung zum Beispiel mit fobizz
Am nächsten Screenshot wird exemplarisch gezeigt, wie ein KI-Assistent angelegt werden kann. Hier wurde die Weboberfläche von fobizz verwendet. Fobizz ist eine Webplattform, die datenschutzkonforme KI-Lösungen für Lehrkräfte und Lernende zur Verfügung stellt.
Eine noch relativ neue Lösung ist die von AIS.Chat. Telli ist Teil eines länderübergreifenden Projekts, das vom FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) koordiniert wird. Die Entwicklung erfolgt seit November 2024 als Open-Source-Lösung, finanziert über Gelder aus dem DigitalPakt. Alle 16 Bundesländer sind beteiligt. Telli ist aber noch nicht in jedem Bundesland verfügbar.
Unabhängig von der gewählten Plattform sind bei der Einrichtung eines KI-Assistenten drei wesentliche Felder auszufüllen: Der Name, der frei gewählt werden kann, eine Beschreibung, was der KI-Assistent können soll, und das Wichtigste — die Rolle und Instruktion, wo klar definiert ist, wie eine Ausgabe erfolgt und welche Rückmeldung den Schülerinnen und Schülern gegeben werden soll. Dann kann auch das Sprachmodell ausgewählt werden. Das kann standardmäßig bei ChatGPT belassen werden. Zusätzlich lässt sich noch der Erwartungshorizont, zum Beispiel als PDF, hinterlegen.
Abbildung 1: Scrennshot von der fobizz-Oberfläche zur Konfiguration des KI-Assistenten.
⬤ Konkrete Ziele im Prompt im Abschnitt “Rolle und Instruktion” festlegen
Du sollst die Rolle einer Chemielehrkraft einnehmen. Du findest die Übungsaufgaben, sowie den Erwartungshorizont im Hintergrundwissen. Nutze lediglich den Erwartungshorizont und keine anderen Quellen, um den Lösungsvorschlag der Eingabe mit dem Erwartungshorizont zu vergleichen!!.
Gib nach dem ersten Lösungsvorschlag ein konstruktives Feedback zu dem Lösungsvorschlag. Gehe dabei auf folgende Punkte ein und erstelle eine Auflistung: Was bereits gut gelungen ist. Welche Inhalte fehlen. Prozentuale Übereinstimmung. Führe keine Analyse im Chatfenster durch. Fordere den Lernenden zu einer Überarbeitung auf. Gib nur Hinweise zu Rechtschreibfehlern, wenn es sich um sehr grobe Fehler handelt. Sonst kannst du diese Rechtschreibfehler ignorieren. Fordere die Schüler nicht dazu auf, eine Strukturformel zu erstellen. Formuliere dein Feedback so, dass es beim Lernen hilft und auch motiviert. Beim ersten Lösungsvorschlag darfst du auf gar keinen Fall den Erwartungshorizont zeigen oder den Lösungsvorschlag selbstständig überarbeiten und zeigen! Beende hier dein Feedback zum ersten Lösungsvorschlag.
Gib auch nach weiteren Lösungsvorschlägen Feedback.
Lasse allgemein Fragen zu und gib Hilfestellungen, welche den Erwartungshorizont aber noch nicht vorwegnehmen.
⬤ Beispiel des KI-Assistenten im Screencast-Video
Das folgende Screencast-Video zeigt die Eingabe einer Lösung zu einer Teilaufgabe. Hier ging es um das Thema Farbstoffe in der Oberstufe und die Schülerinnen und Schüler konnten durch eine Eingabe ihre Lösung überprüfen lassen. Das Video zeigt die vorher festgelegten Strukturen
⬤ Evaluation des KI-Assistenten
In zwei Klassen wurde die Feedback-KI getestet und folgende Ergebnisse ermittelt: Die Evaluation zeigt durchweg positive Rückmeldungen zur Feedback-KI. Beim sofortigen Feedback stimmen etwa 60% voll zu und weitere 20% eher zu — insgesamt bestätigen also über 80% der Schülerinnen und Schüler einen positiven Lernerfolg. Bei der Klarheit und Verständlichkeit des KI-Feedbacks stimmen rund 55% voll zu und etwa 20% eher zu. Das hilfreiche Feedback zu Lösungsvorschlägen bewerten circa 50% mit voller Zustimmung und weitere 20% mit eher positiver Zustimmung. Bei der Verbesserung der Schreibfähigkeiten in der chemischen Fachsprache zeigt sich eine etwas geringere, aber immer noch positive Resonanz mit etwa 40% voller und 20% eher positiver Zustimmung.
Die Ergebnisse zeigen, dass strukturiertes KI-Feedback besonders bei der unmittelbaren Rückmeldung und Verständlichkeit hilfreich sein kann und von den Lernenden als wirksames Lernwerkzeug wahrgenommen wird.
Downloads und Links
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