Das chemische Gleichgewicht von der Beobachtungs- zur Teilchenebene
Das chemische Gleichgewicht spielt in der Q‑Phase eine wichtige Rolle. Für die Schüler:innen ist es wichtig zu verstehen, dass ein Gleichgewicht in einer chemischen Reaktion nicht immer die gleichen Mengen an Edukten und Produkten bedeutet. Ein Gleichgewicht kann auch auf Seiten der Edukte oder Produkte liegen. Dieses soll den Lernenden mit Hilfe von StopMotion-Videos verdeutlicht werden. Zu erst wird das Phänomen auf phänomenologischer Ebene und anschließend mit Hilfe einer Simulation auf Teilchenebene betrachtet.
⬤ Die Umsetzung im Unterricht
Für dieses StopMotion-Video benötigt man verschiedene Standzylinder und zwei Glasrohre mit unterschiedlichen Durchmessern. In Standzylinder A (SZ A) wird angefärbtes Wasser gefüllt (Abb. 1). Anschließend transportiert man mit Hilfe eines Glasrohres Flüssigkeit aus SZ A in SZ B. Direkt danach wird mit Hilfe des zweiten Glasrohres Flüssigkeit aus SZ B in SZ A gefüllt. Auf diese Weise werden die Hin- und Rückreaktionen einer chemischen Reaktion simuliert. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist die transportierte Flüssigkeitsmenge der Hin- und Rückreaktion identisch. Das System befindet sich im Gleichgewicht. Die einzelnen Gruppen erhalten unterschiedliche Glasrohre mit unterschiedlichen Durchmessern. Somit lassen sich bei der Auswertung unterschiedliche Gleichgewichte erkennen.
Abbildung 1: Ablauf des Heberversuchs.
⬤ Ein Beispiel von Lernenden aus dem Unterricht
⬤ Ein Blick auf die Teilchenebene
Nachdem die Schüler:innen sich das chemische Gleichgewicht auf phänomenologischer Ebene angeschaut haben, sollen sie im Anschluss die Ebene wechseln und sich die Teilchenebene genauer anschauen. Zur Durchführung einer entsprechenden Simulation benötigt es jedoch eine detaillierte Vorbereitung. Das Ziel besteht darin, zu verdeutlichen, dass das Gleichgewicht auf Seiten der Edukte, Produkte oder in vergleichbaren Größen der Konzentrationen aller Reaktionsteilnehmer liegen kann.
Zum Zweck der Visualisierung können drei einzelne Simulationen visualisiert werden, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen. Die Simulation wird jeweils zur abstrakten Reaktion A + B ⇌ C + D durchgeführt. Zur Durchführung werden jeweils 63 Teilchen der einzelnen Reaktionsteilnehmer benötigt, die aus einer Vorlage ausgeschnitten werden. Die Anzahl von 63 Teilchen hat sich beim Ausprobieren mit verschiedenen Zahlen als am besten umsetzbar gezeigt. Eine DIN-A3-Unterlage dient als Simulationsfläche. Die Simulationsfläche wird in zwei Hälften unterteilt. Dabei dient eine Hälfte für die Konzentration und Darstellung der Edukt-Teilchen, während die andere Hälfte der Konzentration und Darstellung der Produkt-Teilchen dient. Durch die Trennung der Simulationsfläche in zwei Hälften wird der Aspekt der Stoßtheorie nicht berücksichtigt. Dies muss mit den Lernenden thematisiert werden. Es sollte verdeutlicht werden, dass der Fokus auf der Darstellung der Dynamik von Hin- und Rückreaktionen und den damit verbundenen Konzentrationen der Teilchen auf den jeweiligen Seiten liegt.
Im Arbeitsmaterial findet sich eine Tabelle mit einzelnen Zeitschritten, die Geschwindigkeiten und die Konzentrationen bei der Reaktion angeben. Die Geschwindigkeit gibt jeweils für die Hin- bzw. Rückreaktion an, wie viele Edukt-Teilchen zu Produkt-Teilchen bzw. bei der Rückreaktion wieder zu Edukt-Teilchen reagieren. Die Spalte der Konzentration muss während der Simulation von den Lernenden selbst ausgefüllt werden. Nach der erfolgreichen Erstellung der Simulationen lässt sich im Anschluss daraus die Gleichgewichtskonstante K beschreiben und berechnen.
Das folgende Video zeigt in einer Zeitrafferaufnahme, wie die Schüler:innen drei Simulationen erstellen und diese mit Hilfe von StopMotion-Videos festhalten.
Die folgenden drei Videos geben einen Einblick in die drei Simulationen auf Teilchenebene.
Simulation 1: Das Gleichgewicht liegt auf Seiten der Produkte.
Simulation 2: Das Gleichgewicht liegt in der Mitte.
Simulation 3: Das Gleichgewicht liegt auf Seiten der Edukte.
Downloads und Links
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Arbeitsmaterial
Modellversuch zum Gleichgewicht (Heberversuch)
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Arbeitsmaterial
Modellversuch zum Gleichgewicht (Simulation auf Teilchenebene)
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Arbeitsmaterial
Verschiedene Teilchen (A, B, C, D) für die Simulation
Literatur
- Krause, M. & Eilks, I. (2018). Die Einstellungen des chemischen Gleichgewichts modellieren — Mit StopMotion-Videos von der Beobachtungsebene- zur Teilchenebene. In: Naturwissenschaften im Unterricht Chemie, 29 (166), S. 27–31.